Reisebericht Ísland, Travel Stories, Travels
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Reisebericht Ísland

Immer wenn ich an Island denke komme ich ins Schwärmen! Sofort kommt mir die atemberaubende Natur und ihre unendliche Vielfalt in den Sinn. Ich denke an gewaltige Wasserfälle, tosende Geysire und an die eisigen Gletscher, die vom letzten Vulkanausbruch mit schwarzem Ruß überzogen sind. Die menschenleeren Weideflächen, Mooslandschaften und die mit Bergen umsäumten Fjorde bilden dabei den Ausgleich und bestechen durch eine endlose und zugleich erholsame Ruhe…

Es war Ostern 2013 – wir hatten für die Inselumrundung genau 10 Tage eingeplant. Ob uns hierbei unvorhersehbare Schneestürme oder Straßensperrungen einen Strich durch die Rechnung machen, wussten wir damals nicht, denn wir waren außerhalb der Hauptsaison unterwegs. Für eine Island Reise nicht ganz ohne Risiko, dennoch in unserem Fall die goldrichtige Entscheidung! Die Insel war menschenleer, es war sonnig, spontanes Anklopfen bei diversen Hostels überhaupt kein Problem und freie Fahrt auf der Ringstraße, denn die ist ohne Alternative!

IMG_7567Start und Ende war natürlich Reykjavik – die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt! Unseren Mietwagen (oh ja, mit Allradantrieb!)beluden wir in weiser Voraussicht gleich am Flughafen mit ein paar alkohol-haltigen Getränken vom Duty Free Shop, denn unterwegs wird alles nur noch teurer. Aufgeregt und neugierig ging es dann ganz klassisch los mit dem Golden Circle: der Nationalpark Þingvellir, der Wasserfall Gullfoss und die legendäre Geysire. Was für ein Auftakt!

Der Süden ist geprägt durch seine Vulkane und Gletscher. Wer kennt ihn nicht, den Eyjafjallajökull, der 2010 den Flugverkehr in halb Europa mit seiner Aschewolke lahmlegte. Überraschend klein (lediglich der sechstgrößte) im Vergleich zu seinen benachbarten Gletschern, aber aufgrund seiner jüngsten Geschichte natürlich beeindruckend. WIMG_7672ir liesen es uns auch nicht nehmen, eine geführte (!) Gletscherwanderung auf einer der Gletscherzungen des Vatnajökull zu unternehmen. Steigeisen an und los ging’s! Die jahr-tausendalten Eislandschaften mit ihrer skurrilen Darbietung lässt einen nur noch staunen. Anders als beispielsweise in Patagonien sind hier die Gletscher nicht nur blau, sondern aufgrund der Vielzahl an Vulkanausbrüchen über die Jahrhunderte hinweg auch schwarz meliert.  Einen kleinen Traum erfüllt ich mir an Ort und Stelle – das Eisklettern. Als Gelegenheitskletterin wollte ich das Klettern mit Eispickel und Steigeisen schon lange einmal ausprobieren. Himmel, war das anstrengend! Die Kraft, die man aufwenden muss, um den Eispickel in einer sicheren Stellung im Eis zu versenken ist einfach unglaublich. An diesem Tag waren wir glückseelig als wir abends erschöpft und in kuschelwarmen Decken eingehüllt, mit einem unseren vorgesorgten Gin Tonics, auf unsere großartigen Erlebnisse anstoßen durften!

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Die Ostküste Islands war zu unserer Zeit vollends eingeschneit. Endlose unberührte Schneelandschaften und manchmal meterhohe Schneewände an den Straßen waren zu sehen. Und dazu kaum eine Menschenseele, die uns später fast zum Verhängnis wurde… Wir schlugen im wunderschönen Künstlerdörfchen Seydisfjördur unsere „Zelte“ auf. Das abgelegene Malerdörfchen versteckt sich direkt am Meer hinter einer abfallenden Küste und ist mit seinen bunten Häuschen wirklich zauberhaft. für diesen Abend nahmen wir uns die Polarlichter vor. Natürlich verfolgten wir schon tagelang die Vorhersagen der Aurora Borealis wie die meist grünen Lichtschauspiele am Himmel auch genannt werden. An diesem Abend war es soweit und wir fuhren um Mitternacht rum aus dem Dorf die Anhöhe hinauf. In absoluter Dunkelheit und Einsamkeit angekommen sahen wir weitentfernt leicht hellgrüne Lichter am Himmel. Sofort hielten wir am Straßenrand an blickten gespannt in den Himmel. Es dauerte aber gar nicht lange bis wir merkten, dass unser Untergrund nicht ganz so gut befestigt war wie er aussah! – Wir steckten mutterseelenallein im Schnee fest und kamen auch trotz Drehen und Wenden nicht mehr heraus. Leichte Panik überfiel uns als wir merkten dass die Frequenz der vorbeifahrenden Auto gegen null geht und bei der klirrenden Kälte das Auto ziemlich schnell auskühlt. Was für ein Glück, dass nach ca. 20 Minuten ein großer Geländewagen die Straße entlang fuhr und ein warmherziger Isländer seine Hilfe anbot. Wie es sich für einen erfahrenen Einheimischen gehört,  hatte er natürlich auch ein Seil dabei und zog uns ratzfatz aus dem Schnee heraus. Überglücklich hakten wir unsere Nordlichter-Erfahrung ab und fuhren zurück in unsere warme Pension…

Der Norden Islands ist geprägt durch den Mývatn See (dem wohl die Vielzahl an Mücken in den Sommermonaten seinen Namen gab) und dem alten Handelszentrum HúsavIMG_8242ík. Letzteres ist auch der Ausgangspunkt für sämtliche Whale Watching Touren. Da wir leider noch zwei Tage vor der Saison Eröffnung da waren, konnten wir leider nicht an Bord gehen. Hätten wir gewusst, dass wir somit auf zwei Blauwale (!) verzichten, hätten wir wohl eher alles stehen und liegen gelassen und gewartet… Von diesem einzigartigen Erlebnis hat uns nämlich später auf der Reise ein Pärchen berichtet und ich denke noch sehr sehr oft wehmütig darIMG_8821an zurück!! Zumindest ein bisschen entschädigt, wurden wir ein paar Tage später dennoch auf einer Wanderung entlang der Küste. Einmal konnten wir von Land aus zwei Orcas in der Bucht schwimmen sehen und kurz darauf wäre ich fast in einen Seeadler gelaufen, der sich genau vor mir in der Sonne wärmte. Der breitete dann erschrocken seine riesigen Flügel aus und flog mit erhobenen Hauptes davon. Wir staunten nicht schlecht!

Ein definitives Highlight der Insel sind die Westfjorde! Die wunderschönen Hügelketten die sich im ruhigen Wasser der vielen Buchten spiegeln sind einfach zauberhaft. Zeitintensiv war es mit IMG_8191unserem Mietwagen die einzelnen Fjorde entlang zu fahren, aber dennoch wirklich lohnenswert!
Zwischendurch haben wir wieder einmal einen Stop an einer der tollen heißen Quellen gemacht, die sich auf der Insel verteilt verstecken. Natürlich gespeiste Quellen, zugänglich für jeden, einfach so. Diesmal hatten wir uns ein besonders gut versteckte rausgesucht, denn wir haben lange suchen müssen und mussten dabei auch über Stock und Stein fahren, um die zwei natürlich angelegten Becken direkt zwischen Berge und Meer zu finden. Aber es hat sich gelohnt, ein absoluter Geheimtipp!

Auch das Islandpferde-Reiten haben wir uns nicht entgehen lassen. Zwar sind wir beide keine erprobten Reiter, aber im Urlaub machen wir das dennoch ab und an. Es war zu der Saison nicht ganz so einfach einen Anbieter zu finden, aber glücklicherweise haben wir dennoch in Þingeyri einen netten Belgier gefunden, der für uns seine Pforten geöffnet hat und uns auf einen Ausritt mitnahm. AIMG_8545uch als nicht Pferdekenner weiß ich, dass Islandpferde etwas besonderes sind. Zum Ende einer jeden Saison werden die Tiere in ihre Freiheit entlassen, um sie so natürlich wie möglich zu halten. Islandpferde sind reinrassig und um das zu behalten, dürfen keine anderen Pferde auf die Insel importiert werden. Außerdem haben sie fünf Gangarten, was sie zusätzlich besonders macht. Unser Frühjahrsausritt war herrlich. Über Stock und Stein und durch Flüsse sind wir mit unseren robusten, braven Pferdchen geritten und dass bei herrlichen Sonnenschein! Anschließend kehrten wir noch in das gemütlIMG_8710iche, süße Coffeehouse Simbahöllin ein, das besagten Belgier zusammen mit seiner dänischen Partnerin gehört. Die beiden haben auf Island ihre Wahlheimat gefunden, ein altes Haus gekauft und daraus ein superschönes heimeliges Cafe gemacht. Man munkelt, es gäbe dort die besten belgischen Waffeln auf der Insel! 😉

Der Ausklang unserer Island-Reise war die Rückkehr über die Halbinsel Snaeffellsnes (auch „Island in Miniatur“ genannt) nach Reykjavik, wo wir unsere herzlichste Unterkunft der ganzen Reise hatten – bei Bedda & Ernesto in „our house“.  Wir fühlten uns in der „Erwachsenen-Haus-WG“ sofort heimisch und würden diese Unterkunft wärmstens weiterempfehlen. Zum Abschluss kehrten wir ein letztes Mal zurück in den Nationalpark Þingvellir, um dort in der Silfra Spalte zu schnorcheln. Die Chance in einer Kontinentalspalte zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Platte zu tauchen ist einmalig und konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Das Schmelzwasser kommt vom 50km entfernten Langjökull Gletscher und braucht etwa 30-100 Jahre um kristallklar gefiltert durch das Lavagestein in der Spalte anzukommen. Schon das Anziehen der Trockentauchanzüge war ein Highlight und bitter nötig bei der 2 °C-kalten Wassertemparatur. Trotzdem kommt durch NeoprenhandschuhIMG_7574e und -haube immer noch genügend Kälte durch, so dass das Schnorcheln auf 30 min begrenzt ist. Reicht dann aber auch, denn Pflanzen und Tiere sind da unten bei den Temparaturen nicht mehr zu sehen. Dennoch das Gefühl zwischen den Kontinentalplatten im kristallklaren Wasser zu schweben und die erstaunlichen Gesteins-schichten zu bestaunen war ein unvergleich-liches Abenteuer.

Wenn ich an Island denke bekomme ich Fernweh und ein ausgeprägtes Bedürfnis eines Tages dort hin zurückzukommen. Vielleicht dann im Frühjahr, wenn die Landschaft saftig grün wird und die Blumen anfangen zu blühen. Mit Sicherheit wieder eine ganze andere Seite der sagenhaft vielseitigen kleinen Insel.

Meine persönlichen Tipps:
Unterkunft: Our House | Karastigur 12 | 101 Reykjavík | www.ourhouse.is         
Cafe: Simbahollin Cafe | Fjardargata, 5 | Thingeyri | www.simbahollin.is
Aktivitäten: Schnorcheln in der Kontinentalspalte Silfra

2 Kommentare

  1. Liebe Andrea!

    Wollt dir einfach nur da lassen, dass ich deinen Blog toll finde! Sehr sehr schöner Aufbau und man findet sich super zurecht! Freue mich schon viel von dir zu lesen!

    LG Suzana

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